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Seit wann gibt es Homeschooling?

Elterlicher Privatunterricht ist wohl die älteste «Schulform» überhaupt: Schon immer haben die Eltern als natürliche Lehrer ihre Kinder auf das Leben vorbereitet. Die Knaben lernten beim Vater, die Mädchen bei ihren Müttern. Ebenfalls massgeschneiderte Bildung durch einen Hauslehrer war vor allem Kindern aus der aristokratischen Oberschicht zugute gekommen. Später waren Bildung und Erziehung breiterer Volksschichten zunächst vor allem Sache der Kirchen und Klöster. Unter dem Einfluss von Rousseau und Pestalozzi wurden Mitte des 18. Jahrhunderts pädagogische Reformen angestrebt, und mit der Totalrevision der Bundesverfassung 1874 wurde für alle Kinder der obligatorische und bekenntnisunabhängige Unterricht eingeführt. Aber: Die Tatsache, dass Homeschooling weltweit ein Trend ist, macht deutlich, dass flächendeckender Schulzwang in unserer modernen und mobilen Informationsgesellschaft einen Anachronismus darstellt. Der Verein Bildung zu Hause Schweiz entstand Ende der 1990er Jahre und hat heute (2013) ca. 200 Mitglieder.

 

Wer entscheidet sich für private Bildung zu Hause?

  • Wer nicht im Einzugsgebiet einer Privatschule wohnt oder sich eine solche nicht leisten kann, und wer trotzdem die Bildung seiner Kinder nicht einfach den Zufälligkeiten örtlicher Schulverhältnisse überlassen will, entscheidet sich für diese letzte Möglichkeit als Alternative zur Volksschule: Homeschooling ist «die Bildungsalternative des kleinen Mannes».
  • Hochbegabte oder auch Behinderte, welchen keine entsprechende Förderung zuteil wurde, werden privat geschult.  
  • Nicht wenige Eltern machen die Erfahrung, dass die zu Hause geleistete Erziehungsarbeit nachhaltig untergraben wird durch die Negativ-Sozialisation, welche in den Peergroups und in der Schule stattfindet: Disziplinlosigkeit und Schlendrian, die in manchen Klassenzimmern ihr Unwesen treiben, Mobbing, sinkendes Leistungsniveau, Gewalt und  Drogen veranlassen Eltern mangels Alternativen, das Heft kurzerhand selber in die Hand zu nehmen.
  • Junge Familien mit grossem Gestaltungswillen, welche ihre Ideale von kindgerechter Erziehung (zB. Montessori-Pädagogik) umsetzen und aktiv Inhalte und Haltungen vermitteln wollen.
  • Kaderleute aus dem Ausland, die nur für wenige Jahre in der Schweiz weilen, und die ihre Familie mitgenommen haben. Sie möchten ihren Kindern eine ihrer Herkunft angepasste Erziehung ermöglichen.

Können Eltern, die nicht Lehrer sind, überhaupt die Ausbildung ihrer Kinder sicherstellen?

In der Schweiz machen einige hundert Familien vom Recht auf Hausunterricht Gebrauch. Die Massenmedien und die Informationstechnologien haben Bildung „demokratisiert“ und den Lernenden unabhängig von professionellen Wissens-Vermittlern gemacht: Jede erdenkliche Information ist bequem per Mausklick erreichbar, und computergestützte, multimediale Lernumgebungen sind jedermann zugänglich. Wer lernen will, der kann!

Die Homeschoolbewegung in der Schweiz kann bereits auf  die Laufbahnen von zahlreichen jungen Erwachsenen verweisen, welche privat von ihren Eltern gebildet worden sind. Neben den unterschiedlichsten Berufen figurieren in der Statistik auffallend viele Gymnasiasten, und dies, obwohl die wenigsten Eltern zertifizierte Lehrer sind.

 

Wie ist das mit der Sozialisation? Werden die Kinder so nicht von der Gesellschaft abgeschottet?

Bildung zu Hause fördert generationenübergreifende, soziale Kompetenzen. Das altersdurchmischte Lernen, der Einbezug von Eltern, Grosseltern oder Freunden bietet Raum für kritisches, differenziertes Denken und konstruktive Auseinandersetzungen. Es gibt zudem zahlreiche Möglichkeiten, das soziale Leben zu gestalten und die Durchmischung mit der Gesellschaft anzustreben: Nachbarschaftliche Beziehungen im Quartier, Sportvereine, Freizeiten, Arbeitseinsätze auf dem Bauernhof, Exkursionen, Sprachaufenthalte im Welschland, Vernetzung mit anderen Familien oder gar mit der örtlichen Volksschule oder einer Privatschule, wo einzelne Fächer besucht werden können. Dass die Sozialisation von Homeschool-Kindern überdurchschnittlich gelingt, belegen einschlägige Studien, welche diesen Jugendlichen ein hohes Mass an Sozialkompetenz attestieren.

 

Besteht nicht die Gefahr der einseitigen Wertevermittlung?

Der Erziehungswissenschaftler Franco Rest dreht den Spiess um: Die «Entwicklung des Individuellen, Persönlichen, Einzigartigen» werde «nachweislich durch die Zwangserziehung in altershomogenen Gruppen unterdrückt, behindert oder bis zur Persönlichkeitsstörung deformiert».
Es gehört es zu den schönsten Aufgaben im menschlichen Leben, die eigenen Kinder grosszuziehen: ihnen Halt, Schutz und Liebe zu schenken und sie durch eine sorgfältige Charakterbildung zu verantwortungsbewussten und gemeinschafts-
tauglichen Gliedern unserer Gesellschaft vorzubereiten. Jede Wertevermittlung hat dabei zwangsläufig ein gewisses Profil und ist in diesem Sinne «einseitig», und es zeugt von einem demokratiefeindlichen, anmassenden Misstrauen gegenüber dem Bürger, wenn der Staat meint, er müsse die Kinder vor dem «einseitigen» Einfluss der Eltern schützen.

 

Besteht nicht die Gefahr des Entstehens von Parallelgesellschaften?

In den angelsächsischen Ländern existiert Homeschooling schon seit Jahrzehnten und noch nie ist so etwas wie das Entstehen von Parallelgesellschaften beobachtet worden, welche ihren Ursprung in dieser Bewegung gehabt hätten. Dazu ist diese Bewegung auch viel zu heterogen und wird in den meisten Ländern in irgendeiner Form vom Staat beaufsichtigt. Umgekehrt sind sehr wohl Parallelgesellschaften vor unseren Augen entstanden, aber allesamt von Leuten, die die öffentlichen Schule durchlaufen haben: Die Subkulturen der Rechts- oder Linksextremen, die Gangs, welche gewisse Viertel in den grösseren Schweizer Städten unsicher machen; und in Deutschland, wo gegen Homeschoolers gar mit polizeilichen Mitteln vorgegangen wird, sind in den Grossstädten Parallelgesellschaften in Form von abgeschotteten Türkenvierteln entstanden.

 

Wussten Sie, dass...

  • Homeschooling weltweit die am schnellsten wachsende pädagogische Bewegung ist?

  • Privatunterricht in den meisten Ländern der Welt erlaubt ist?

  • in Kanada Homeschool-Familien finanziell unterstützt werden?

  • 10 amerikanische Präsi- denten privat unterrichtet wurden, ebenso Winston Churchill, Konrad Adenauer, Agatha Christie, Yehudi Menuhin, Charles Dickens, Wolfgang Amadeus Mozart und Albert Schweitzer?

  • jedes 20. Kind in den USA zu Hause unterrichtet wird?

  • privat geschulte Jugend- liche von amerikanischen Colleges intensiv umworben werden, weil man von deren Qualitäten offenbar sehr überzeugt ist?

Weshalb bilden Sie Ihre Kinder zu Hause?

«Wir werden unsere Kinder ab nächstem Sommer zu Hause unterrichten. Unsere zwei ältesten Söhne besuchten bisher die normale Schule und haben soeben das 1. und das 3. Schuljahr beendet. Seit der Kindergarten begonnen hat, haben sie Mühe und es macht ihnen keinen Spass. Sie haben schnell die Freude am Lernen verloren und gehen nicht gern zur Schule. Bei den jeweiligen Gesprächen mit den Lehrerinnen hatten wir immer den Eindruck, uns nicht zu verstehen. Die Kritik der Lehrerinnen bezog sich meist auf das Wesen der Kinder (verträumt), welches sie gerne geändert hätten. Nun standen wir am Punkt, als Familie freudlos weiterzumachen oder aber unseren eigenen freudvollen Weg zu gehen. Wir möchten unseren Kindern ermöglichen, sich frei und ihrem Wesen entsprechend zu entfalten. Ausserdem möchten wir ihre Freude am Lernen und ihre Neugierde wieder zum Leben erwecken.»

 

Ein Elternpaar

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